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Rheumatische Erkrankungen

Bei rheumatischen Erkrankungen handelt es sich um einen Überbegriff für mehr als 400 Krankheitsbilder. Die Ernährung kann neben medikamentösen, physikalischen und anderen Therapien ein wichtiger Baustein der Behandlung sein.

Dieser Artikel setzt sich mit folgenden Fragen auseinander:

  • Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Rheuma“?
  • Welche Rolle spielt die Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen?
  • Wie sehen konkrete Ernährungsempfehlungen aus?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Rheuma“?

Unter dem Überbegriff „Rheuma“ verbirgt sich eine Vielzahl an Erkrankungen:

  • entzündliche rheumatische Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis)
  • degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (z.B. Arthrosen)
  • Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (z.B. Gicht)
  • weichteilrheumatische Erkrankungen (z.B. Fibromyalgie)

Welche Rolle spielt die Ernährung bei rheumatische Erkrankungen?

Eine richtige Lebensmittelauswahl kann u.a.

  • Entzündungsprozesse abschwächen.
  • Schmerzen vermindern.
  • Auslöser für Gicht minimieren.
  • indirekt positiv auf degenerative Erkrankungen durch Gewichtsreduktion wirken.
  • Osteoporose (Knochenschwund) entgegenwirken
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Wie sehen konkrete Ernährungsempfehlungen bei rheumatische Erkrankungen aus?

Grundlage für eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise ist eine pflanzenbasierte Ernährung, die durch tierische Produkte ergänzt wird.

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  • Achten Sie auf eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung nach den 10 Regeln der DGE.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel und Getränke, die Ihnen nicht gut bekommen.
  • Gestalten Sie Ihre Ernährung möglichst vielfältig und vermeiden Sie einseitige Kostformen. So bekommen Sie alle Nährstoffe, die Sie brauchen.
  • Greifen Sie täglich zu fünf Portionen Gemüse (3 Portionen) und Obst (2 Portionen). Beides liefert antioxidative Stoffe, die Entzündungsreaktionen lindern.
  • Bevorzugen Sie Vollkornprodukte.
  • Essen Sie wenig fettreiche Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Schweineschmalz, Eigelb sowie fettreiche Fleisch- und Wurstsorten. Die DGE empfiehlt wöchentlich nicht mehr als 2 Portionen Fleisch/Wurst(-waren), d.h. je nach Energie- und Nährstoffbedarf max. 300 bis 600 g. Bevorzugen Sie Fleisch von Geflügel oder Rind, da diese weniger Arachidonsäure enthalten.
  • Viel Fett versteckt sich ebenfalls in stark verarbeiteten Lebensmitteln wie in Fertigprodukten, Kuchen, Süßigkeiten oder streichfähigen Produkten beispielsweise Leberwurst.
  • Eine gute Quelle für Omega-3-Fettsäuren sind Fische wie Lachs, Makrele oder Hering.
  • Verwenden Sie hochwertige Öle: Raps-, Lein-, Weizenkeim- oder Walnussöl enthalten viele wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Rapsöl ist zudem reich an antioxidativem Vitamin E.
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  • Wählen Sie fettarme Milch und Milchprodukte. Die Gabe von Cortison kann negative Effekte auf die Knochenmineralisation haben, wodurch das Risiko für Osteoporose erhöht ist. Deshalb ist bei rheumatischen Erkrankungen der Verzehr von 3 bis 4 Portionen Milch- und Milchprodukten sinnvoll, sofern die fettarme Variante gewählt wird.
  • Trinken Sie regelmäßig – mindestens 1,5 Liter pro Tag. Hier sind vor allem Mineralwässer und ungesüßte Tees zu bevorzugen. Informationen dazu finden Sie unter „Trinken im Alter“.
  • Verzichten Sie auf alkoholische Getränke.

Die Entzündungsreaktionen in den Gelenken werden durch Arachidonsäure, eine Omega-6-Fettsäure, gefördert. Bei entzündlichen-rheumatischen Erkrankungen ist es daher ratsam, möglichst wenig Arachidonsäure über die Nahrung aufzunehmen. Diese befindet sich ausschließlich in tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch- und Wurstwaren, sowie Milch- und Milchprodukten. Aber auch Eier sollten deshalb sparsam verzehrt werden. Es wird empfohlen, nicht mehr als 300-600 g Fleisch- und Wurstwaren in Abhängigkeit des gesamten Energie- und Nährstoffbedarfs pro Woche zu verzehren.

Im Fisch sind Omega-3-Fettsäuren enthalten, die Gegenspieler der Arachidonsäure sind und eine entzündungsmindernde Wirkung haben können. Wöchentlicher Fischverzehr kann ebenso wie der Verzehr hochwertiger Öle wie Raps-, Lein-, Soja- oder Walnussöl den positiven Effekt auf die Gesundheit unterstützen. Darüber hinaus können Gewürze wie Knoblauch, Ingwer und Kümmel ebenfalls die Bildung von Entzündungsstoffen mindern.

Als Antioxidantien werden Nahrungsinhaltsstoffe bezeichnet, die eine schützende und gesundheitsfördernde Wirkung auf den Organismus haben können. Sie sind insbesondere in Gemüse und Obst enthalten. Vor allem Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink zählen zu den Antioxidantien, die sogenannte „freie Radikale“ im Körper neutralisieren. Diese entstehen während normaler Stoffwechselprozesse sowie durch äußere Einflüsse wie z.B. rauchen. Werden freie Radikale nicht neutralisiert, können diese Erkrankungen wie Arthritis, Arteriosklerose oder Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen.

Rheumatische Erkrankungen und Ernährung

Auch, wenn sie rheumatische Erkrankungen positiv beeinflussen kann, ist die Ernährung vor allem als Ergänzung zu einer medikamentösen, physikalischen und chirurgischen Therapie zu sehen und kann eine solche nicht ersetzen. Weitere Empfehlungen:

  • Eine Normalisierung des Gewichts vermindert nicht nur die Beschwerden einer Arthrose, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.
  • Viel Bewegung an der frischen Luft. So kann unser Körper Vitamin D durch Sonneneinstrahlung über die Haut selbst bilden. Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D finden Sie im FAQ-Bereichen der DGE-Hauptgeschäftsstelle.

Mehr zum Krankheitsbild Osteoporose erfahren Sie hier.

Hürden im Alltag – Beispiel Speisenzubereitung

Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken bereiten oft Schwierigkeiten im Alltag. So kann ggf. das Zubereiten von frischen Speisen schwerfallen. Wenn beispielsweise bei Schnippelarbeiten die Hände schmerzen oder aufgrund von Schwellungen in den Gelenken das Messer nicht mehr sicher gegriffen werden kann.

Auch die Bewegung im Haus oder an der frischen Luft ist für Menschen mit Arthrose oder steifen Gelenken nicht immer einfach. Mobile Menüdienste oder ein Einkaufservice können beispielsweise helfen, dass weniger eingekauft und zubereitet werden muss und dadurch für Entlastung im Alltag sorgen.

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