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Gebrechlichkeit

Im Alter verändert sich der Körper, Muskelmasse und Muskelkraft nehmen ab. Der Mensch ist nicht mehr so belastbar, auch die Widerstandskraft lässt nach. Eine Mangel- oder Fehlernährung kann Beeinträchtigungen wie Abbau von Muskelmasse und -kraft (Sarkopenie) noch beschleunigen, was in einer Gebrechlichkeit (Frailty) münden kann. Um Gesundheit und Lebensqualität weitestgehend zu erhalten, ist eine gesundheitsfördernde und bedarfsgerechte Ernährung umso wichtiger.

Hier finden Senior*innen sowie deren Angehörige, Fach- und Pflegekräfte einen Überblick zu folgenden Themen:

  • wie sich Sarkopenie (Abbau von Muskelmasse und – kraft) und Frailty (Gebrechlichkeit) auswirken
  • welche Anzeichen/Symptome darauf hinweisen
  • wie Ernährung vorbeugen kann

Sarkopenie

Ab dem 50. Lebensjahr nehmen Muskelmasse und Muskelkraft kontinuierlich um etwa 1-2 Prozent pro Jahr ab. Dies wirkt sich nicht nur auf die Beweglichkeit, sondern auch auf Atmung oder Verdauung aus. Von Sarkopenie ist die Rede, wenn der Abbau von Muskelmasse und -kraft über diesen normalen Altersverlust hinausgeht. Wie ausgeprägt dieser ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und kann etwa durch Erkrankungen, Immobilität oder Fehlernährung negativ beeinflusst werden.

Frailty

Die Gebrechlichkeit (Frailty) steht im engen Zusammenhang mit der Sarkopenie. Gebrechlichkeit tritt vor allem im hohen Alter auf und äußert sich ganz unterschiedlich. Im Allgemeinen lässt die Belastbarkeit des Körpers nach, seine physiologischen Reserven nehmen ab. Auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber inneren und äußeren Einflüssen (z.B. Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Nebenwirkungen von Medikamenten) wird geringer.

Verstärkende Faktoren

Eine Mangel- oder Fehlernährung verstärkt diese Entwicklung ebenso wie körperliche Inaktivität oder chronische Erkrankungen.

Die möglichen Folgen von Sarkopenie und Frailty:

  • Körperliche Einschränkungen nehmen zu.
  • Selbstständigkeit und Lebensqualität gehen verloren.
  • Die Betroffenen sind anfälliger für Stürze.
  • Versorgungs- und Pflegebedarf nehmen zu.
  • Das Risiko, vorzeitig zu versterben, steigt.

Erste Anzeichen des Frailty-Syndroms:

Das Frailty-Syndrom wird durch physische (körperliche), psychische (geistige) und soziologische Faktoren charakterisiert. Mindestens drei der folgenden Symptome müssen zutreffen:

  • ungewollter Gewichtsverlust (mind. 5 kg in 12 Monaten)
  • schnelle Ermüdung
  • nachlassende Druck- und Zugkraft der Hände und Arme (Schwäche bei Handgriffen)
  • langsame Gehfähigkeit
  • geringe körperliche Aktivität

Was möchten Senior*innen?

Um eine bedarfsgerechte Nährstoff- und Energiezufuhr sicherzustellen und einer Mangelernährung entgegen zu wirken, ist es wichtig die Bedürfnisse der Senior*innen zur berücksichtigen. So können sich Hilfestellung beim Kochen oder eine Mahlzeit in Gesellschaft positiv auswirken.

Ernährung im Blick haben

Ein guter Ernährungszustand durch eine altersgerechte Ernährung trägt neben der körperlichen Aktivität dazu bei, dass Sarkopenie und Gebrechlichkeit verhindert oder zumindest verzögert werden.

Um weitreichende Folgen vorzubeugen, müssen Ernährungsprobleme so früh wie möglich erkannt, Appetitlosigkeit, eine einseitige Ernährungsweise sowie Gewichtsverlust ernstgenommen werden. Hilfreich ist die regelmäßige Überprüfung des Ernährungszustands durch sogenannte Ernährungs-Screenings.

Der Gewichtsverlust und der Abbau von Muskelmasse hat den Verlust an Funktionalität zur Folge.  Der Abbau ist unabhängig vom Ausgangsgewicht und ungeachtet dessen, ob der Gewichtsverlust be- oder unbeabsichtigt ist.

Mangelernährung?

Umgekehrt können Sarkopenie und Frailty zu einer mangelnden Versorgung von Nährstoffen führen, wenn Einkauf und Essenszubereitung mühsam und anstrengend werden. Sich selbstständig vollwertige Mahlzeiten zubereiten kann zum Hindernis werden und der Appetit durch fehlende körperliche Aktivität verringert sein.

Sind gebrechlichen Menschen auf Hilfe bei grundlegenden Alltagsaktivitäten angewiesen sind, ist das Risiko einer nicht ausreichenden Ernährung zusätzlich erhöht. Ein Teufelskreis ist so möglich, in dem sich Mangelernährung, Sarkopenie und Frailty gegenseitig verstärken.

Zur Vorbeugung von Sarkopenie und Frailty sollte

  • die Energiezufuhr bedarfsgerecht sein, um Unter- und Übergewicht zu vermeiden.
  • über die Nahrung ausreichend und bedarfsgerecht Proteine (Eiweiße) zugeführt werden.
  • die Vitamin-D-Versorgung sichergestellt sein.
  • der Speisenplan abwechslungsreich und vielseitig sein, um die Zufuhr von Antioxidanzien und anderen wertvollen Inhaltsstoffe aus den unterschiedlichen Lebensmitteln/Lebensmittelgruppen zu gewährleisten.
  • reichlich getrunken werden.

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Bewegung ist wichtig!

Neben der Ernährung können auch andere Faktoren der Sarkopenie und Gebrechlichkeit entgegenwirken. Dazu gehört vor allem ausreichend Bewegung. Die Muskelmasse kann selbst im Alter durch bedarfsgerechtes Kräftigungstraining erhalten und aufgebaut werden. Dies gilt auch bei Osteoporose.

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