Trinken im Alter

Der Mensch braucht Wasser zum Leben. Doch vor allem im Alter lässt das Durstempfinden nach. Umso wichtiger ist es für ältere Menschen, ausreichend zu trinken. Aber welche Getränke sollen es sein? Was kann das Trinken erleichtern? Welche Ursachen und Folgen hat ein Flüssigkeitsmangel? Und wie können Pflege- und Fachkräfte unterstützen?

Hier finden Senior*innen und Fachkräfte Informationen und Anregungen zu den Themen

  • Wie viel trinken und was?
  • Tipps zum Trinken im Alter
  • Ursachen und Folgen von unzureichender Flüssigkeitszufuhr
  • Hilfestellung bei der Flüssigkeitsaufnahme: Trinkprotoll, Trinkhilfen
  • Hilfestellung bei besonderen Anforderungen: Mundtrockenheit, Schluckstörungen

Warum müssen wir überhaupt trinken?

Der Körper eines Menschen besteht zu 50 bis 60 Prozent aus Wasser. Ohne Wasser könnten wir nicht leben, denn es ist an nahezu allen Vorgängen in unserem Körper beteiligt. Wasser ist in allen Zellen und Flüssigkeiten des Körpers vorhanden. Es dient als Lösungs- und Transportmittel für Nährstoffe und Stoffwechselprodukte und wirkt bei wichtigen Prozessen im Körper mit. Wasser hilft unsere Körpertemperatur aufrechtzuerhalten und quellt den Speisebrei im Darm.

Wie viel trinken und was?

Es wird empfohlen, etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich zu trinken. Im Sommer darf es gerne mehr sein, ebenso bei Menschen, die stärker schwitzen oder sich viel bewegen. Besonders viel Flüssigkeit braucht, wer bestimmte Medikamente nimmt oder an Beschwerden leidet wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen.

Gut geeignet sind:

  • Trink- und Mineralwasser
  • (ungesüßter) Früchte- oder Kräutertee
  • Saftschorlen (Verhältnis 1/4 Saft, 3/4 Wasser)

In Maßen von bis zu 4 Tassen:

  • Kaffee
  • grüner bzw. schwarzer Tee

Auch wasserhaltige Mahlzeiten liefern dem Körper wertvolle Flüssigkeit, die allerdings nur bedingt zur Trinkmenge gezählt werden.

  • Eintopf
  • Obst
  • Gemüse

Mit etwa 1,5 Liter wird größte Menge an Flüssigkeit über den Urin abgegeben. Aber auch über die Haut, Stuhl oder Lunge gehen weitere etwa 1,2 Liter Wasser verloren. Diese Verluste müssen über Getränke und Flüssigkeiten wieder aufgefüllt werden. Dabei liefern mit etwa 1,5 Liter die Getränke die meiste Flüssigkeit. Den Rest tragen vor allem Speisen bei, wie z.B. wasserreiche Lebensmittel (z.B. Gurke, Melone) oder Suppen. Genaue Zahlen zu der Wasserbilanz (ml/Tag) eines Erwachsenen sowie die Richtwerte für die Zufuhr von Wasser finden Sie auf der Webseite der DGE unter „Wasser“.

Wegen ihres Energiegehalts zählen weder Milch und Milchprodukte noch Säfte (100 % Fruchtsaftgehalt) zur Gruppe der Getränke. Sie werden der tierischen bzw. pflanzlichen Lebensmittelgruppe zugeordnet. Liegt jedoch ein Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) vor, dann werden sie bei der Bilanzierung der Flüssigkeitszufuhr als Getränk gewertet und bei der Berechnung der Flüssigkeitszufuhr einbezogen. Gleiches gilt dann, wenn aus ärztlicher Sicht eine limitierte Flüssigkeitszufuhr notwendig ist.

Wegen der anregenden Wirkung von Koffein auf das Herz-Kreislauf-System sollte ggf. mit der*dem behandelnden Ärztin*Arzt v.a. bei Herzpatienten Rücksprache gehalten werden.

Tipps zum Trinken im Alter

Da das Durstempfinden im Alter nachlässt, vergessen viele Senior*innen häufig zu trinken.

So fällt das Trinken leichter:

  • Für Abwechslung sorgen und persönliche Vorlieben beachten. Ein süßes Getränk ist besser als gar keins.
  • Festgelegten Ritualen folgen. Es kann zur liebgewordenen Gewohnheit werden, zu jeder Mahlzeit ein Getränk zu nehmen und am Nachmittag einen Tee zu trinken.
  • Trinkprotokoll führen. Es liefert einen schnellen Überblick, wie viel Flüssigkeit über den Tag schon zu sich genommen wurde und wie viel noch fehlt. Ein Beispiel findet sich in der Informationsbroschüre DGE-Praxiswissen „Trinken im Alter“, die auch leckere Rezepte für Getränke enthält.
  • Ein Trinkplan kann vor allem für aktive Senior*innen und Fachkräfte hilfreich sein.
Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen (DGE-Sektion)

Ursachen und Folgen von unzureichender Flüssigkeitszufuhr

Über das Durstempfinden signalisiert der Körper Flüssigkeitsmangel. Im Alter lässt dieses jedoch nach. Daher kommt es schnell zu einem Flüssigkeitsmangel, der auch als Dehydratation oder Exsikkose bezeichnet wird. Es wird also zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, zudem kann ein höherer Verlust eine Ursache sein.

Mögliche Gründe für ein verändertes Trinkverhalten im Alter

  • vermindertes Durstempfinden
  • Angst vor dem Toilettengang
  • Angst vor dem Trinken aufgrund von Inkontinenz oder Prostatabeschwerden
  • Schluckstörungen
  • Vergesslichkeit (bei Demenz)
  • Erziehung: „Beim Essen wird nicht getrunken!“

Hinzu kommt: Im Alter liegt der Anteil an Körperwasser nur noch bei 40 bis 50 Prozent des Körpergewichts. Zum Vergleich: Bei einem jüngeren Menschen liegt der Anteil, je nach Geschlecht, bei 50 bis 60 Prozent.

Mögliche Gründe für einen erhöhten Flüssigkeitsverlust

  • verminderte Harn-Konzentrationsfähigkeit der Nieren. Es wird mehr Urin ausgeschieden, da er nicht mehr ausreichend konzentriert werden kann.
  • vermehrtes Schwitzen bei warmen Außentemperaturen, überheizten Räumen, Fieber
  • starker Bewegungsdrang (z. B. bei Demenz)
  • Krankheiten mit Durchfall oder Erbrechen
  • Einnahme von Medikamenten wie Diuretika (harntreibende Medikamente) oder Laxanzien (Abführmittel)

Mögliche Folgen von Flüssigkeitsmangel

Ein Mangel an Flüssigkeit kann schwere gesundheitliche Folgen haben. Zu wenig Flüssigkeit kann ein Grund für folgende Beschwerden sein:

  • eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Erhöhung der Körpertemperatur
  • trockene Haut und Schleimhäute
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Verwirrtheit
  • Neigung zu Harnwegsinfekten
  • Eindickung des Blutes mit Kreislauf- und Nierenversagen bis hin zum Tod

Tipps zur Hilfestellung

Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen (DGE-Sektion)
  • grundsätzlich zu jeder Mahlzeit ein Getränk bereitstellen
  • Unterstützung anbieten
  • spezielle Trinkgefäße
  • Getränke an häufig frequentierten Stellen des Zimmers, des Wohnbereichs oder der Wohnung bereitstellen
  • für mobile Bewohner*innen in Senioreneinrichtungen: Selbstbedienung an „Trink-Oasen“ oder Getränkeautomaten (Achtung: Hygiene beachten), ggf. mit Anleitung und Unterstützung
  • leere Gläser und Becher immer wieder auffüllen, leere Gefäße gegen gefüllte austauschen
  • farbige Getränke oder Getränke in einem farbigen Glas anreichen, Wasser wird in einem farblosen Glas oft nicht gesehen
  • je nach Vorliebe auch süße Getränke reichen
  • Trinkrituale einführen, z.B. Glas Wasser, Saftschorle oder Tee am Morgen als Start in den Tag, Nachmittagskaffee, „5-Uhr-Tee“, Wasserflasche am Bett
  • Trinksprüche oder -lieder anstimmen, die die gesellige Komponente unterstützen, freundlich an alte Gewohnheiten erinnern („damit nichts umkommt“ – aber ohne Zwang!)
  • Vorbild sein, gemeinsam trinken (besonders bei dementen Senior*innen, sie mögen oftmals auch Trinklieder, weil diese Erinnerungen wecken.)
  • Trinkprotokoll führen bei besonders gefährdeten Personen

Trinkhilfen

Geeignete Trinkhilfen unterstützen nicht nur beim selbständigen Trinken, sondern ermöglichen Senior*innen auch eine gewisse Selbstständigkeit und somit ein Stück Lebensqualität. Zu beachten ist, die Trinkhilfen individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abzustimmen und bei Bedarf mehrere Modelle zu testen.

  • Trinkgefäße aus Glas oder Porzellan trainieren die Muskulatur und erhalten die Kraft.
  • Kunststofftassen oder -gläser sind leicht und erfordern keine Kraft.
  • Farbige Gefäße eignen sich für sehbehinderte oder demenzkranke Menschen.
  • Trinkbecher mit zwei Griffen und/oder Aussparungen für die Nase können weiter angehoben und besser geleert werden.

Trinkprotokoll

  • Trinkverhalten sorgfältig über längeren, festgelegten Zeitraum (mind. 1 Woche) dokumentieren
  • täglich am Ende eines Tages Gesamtmenge zusammenzählen (Bilanz)
  • nach einer Woche auswerten (Gesamtmenge, tägliche Menge, Vorlieben/Abneigungen gegenüber Getränken, Trinkgefäßen, Tageszeiten)
  • Abgleich mit erforderlicher Trinkmenge unter Berücksichtigung eines Mehrbedarfs durch Medikamente o.ä.
  • geeignete Maßnahmen überlegen (z.B. Änderung Trinkgefäß/Getränk, mehr Trinkgelegenheiten schaffen)
  • Wirksamkeit der Maßnahmen nach einiger Zeit überprüfen und ggf. anpassen

Ablauf

Ein Trinkprotokoll kann sinnvoll sein, wenn bei einem älteren Menschen ein Flüssigkeitsmangel vermutet wird. Die Dokumentation der täglichen Flüssigkeitszufuhr gibt Auskunft über Gewohnheiten und liefert einen schnellen Überblick, wie viel Flüssigkeit über den Tag schon zu sich genommen wurde und wie viel noch zu trinken ist.

Hilfestellung bei besonderen Anforderungen

Gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Mundtrockenheit oder Schluckstörungen können das Trinken behindern. Hier ist besondere Unterstützung nötig.

Mundtrockenheit

Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr, aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antidepressiva oder Diuretika können zu Mundtrockenheit führen. Die mangelnde Speichelbildung kann Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken und Sprechen verursachen. Damit schwinden bei vielen älteren Menschen Appetit und Genuss beim Essen, ihre Lebensqualität sinkt. Der reduzierte Speichelfluss begünstigt zudem die Kariesbildung, da die reinigende Wirkung des Speichels eingeschränkt ist.

Hilfestellung bei Mundtrockenheit

Bei einer ausgeprägten Mundtrockenheit ist es zu empfehlen, den Rat der behandelnden Ärztin oder des Arztes einzuholen, die*der über den Einsatz von Medikamenten entscheidet. Ansonsten empfiehlt es sich:

  • immer wieder ermuntern, einen Schluck zu trinken
  • weiche und wasserhaltige Lebensmittel anbieten wie Obst, Gemüse oder Suppen, auf trockene, klebrige Lebensmittel verzichten
  • säurehaltige Lebensmittel regen die Speichelproduktion an (Joghurt, Quark, saure Säfte, Tee, Kaffee, saure Bonbons)
  • Mund spülen mit Wasser oder Tee
  • auf Alkohol und Nikotin verzichten

Schluckstörungen

Ältere Menschen mit Schluckstörungen (Dysphagien) lehnen es oftmals ab zu trinken, weil sie sich leicht verschlucken. Um einer Dehydration vorzubeugen, ist es hilfreich, Getränke oder flüssige Speisen anzudicken. So sinkt die Fließgeschwindigkeit des Getränks, der Schluckvorgang ist leichter zu steuern.

Beim Andicken von Flüssigkeiten mit geschmacksneutralen Dickungsmitteln ist auf eine exakte Dosierung zu achten, um stets eine einheitliche Konsistenz zu erzielen. Dabei ist eine schriftliche Anleitung hilfreich oder genaue Absprachen unter den beteiligten Pflegekräften.

Hilfestellung bei Schluckstörungen

  • Speisen und Getränke möglichst in Ruhe und mit Geduld anreichen
  • Getränke oder flüssige Speisen andicken
  • Auf eine ruhige Atmosphäre achten, Betroffene können sich dann besser konzentrieren, um sicher zu schlucken.
  • Auf eine aufrechte Sitzposition achten
  • Geeignete Trinkhilfen zum Ausprobieren anbieten

Diuretika sind Medikamente, die die Wasser- und Salzausscheidung über die Niere fördern.

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